Ab nach Mainz!

20.3.26, 17:44, im überraschend pünktlichen ICE bei Stuttgart

Premiere: Zum ersten Mal trage ich meine Kluft in der Öffentlichkeit, und schon nach fünf Minuten wurden wir im Zug nach Augsburg darauf angesprochen und für cool befunden – läuft! Wir sind auf dem Weg nach Mainz, zum ersten Treffen des deutschen Teils des International Service Team (IST – erst am Samstag lerne ich, dass das „S“ nicht für „Support“ steht) für das World Scouting Jamboree (WSJ) im Sommer 2027 in Gdansk, Polen.

In dieses Abenteuer hat mich Wuli mit Elan reingequatscht – letztes Jahr machte er mich über Beziehungen und im Eilverfahren zum offiziellen Mitglied in der Deutschen Pfadfinderschaft St. Georg (DPSG) gemacht, im Spätsommer ging dann die Anmeldung für das „Jam“ raus. Zum Geburtstag schenkte mir Anke mein Klufthemd, das gestern noch mit einigen Aufnähern aufgemotzt wurde. Man wird mir meine recht kurze Mitgliedschaft dennoch deutlich ansehen, und ich hoffe mal, dass ich mich nicht blamiere – und Wuli auch nicht, wobei der schmerzfrei ist, zumindest, was lautstarke Körperfunktionen und Sprüche im Großraumwagen angeht. Er versorgt uns mit Brotzeit, ich steuere das fastenzeitkompatible alkoholfreie Weizen aus dem Bordbistro bei.

Die App der Mainzer Verkehrsbetriebe verweigert mir Einlass, aber bei Wuli klappt’s auf Anhieb – sein Kommentar: „Vielleicht sagst du besser nicht, dass du IT-Experte bist!“ – ohne Worte!

Nach dem Umsteigen in Mannheim sieht man schon mehr Kluften im Zug, und der Bus in Mainz sieht fast aus, als hätten ihn die Pfadfinder extra gebucht. Zu zwanzigst lassen wir uns von den Stadtwerken mit der widerspenstigen App bis zum Theresianum chauffieren, einem kirchlichen Gymnasium, in dem unser Treffen samt Übernachtung stattfindet. Schon vor der Tür trifft Wuli einige Leute aus seiner Unit aus Korea 2023, man begrüßt sich überschwänglich.

Wir werden professionell empfangen und eingewiesen. Zuerst sollen wir unseren Schlafraum beziehen; wir entscheiden uns für die Variante „gemischt, über 18, mit Schnarchern“ und landen, nachdem wir uns in dem futuristisch gestalteten, runden Bau mit Split-Level-Architektur halbwegs orientiert haben, in einem großen Mehrzweckraum, in dem schon diverse Schlafsäcke, Thermarest-Matten und Feldbetten aufgestellt sind. Wir suchen uns ein Eckchen, rollen unser Zeug aus und gehen in Hausschuhen erst mal zum offiziellen Check-In, wo wir unsere Anmeldung und den Steckbrief abgeben.

Anschließend ist Abendessen angesagt; in der schicken Mensa herrscht Vollbetrieb, es gibt leckere Pizza in verschiedenen Varianten. Bald ruft Patty (Patrick aus Augsburg) die Menge zusammen, die sich in der ebenfalls runden, zirkusartigen Aula versammelt, wo wir allererste Informationen bekommen und uns mittels ein paar Gruppenspielen minimal kennenlernen. Was Großlager betrifft, bin ich natürlich Neuling, aber erstaunlich erfahren, was Besuche im Gastgeberland Polen angeht – schön! Abschließend teilen wir uns per Durchzählen auf zehn Teams auf, die morgen reihum den Workshop-Zirkel besuchen, dann ist Ende des offiziellen Teils, und der gemütliche Abend wird eingeläutet. Wir holen uns eine Flasche rheinhessischen Riesling und setzen uns in den gemütlichen, lounge-artigen Teil der Mensa, wo wir nicht lange allein bleiben: Tini (Christina) und Diana aus dem Raum Stuttgart sowie Jannik aus Weiden gesellen sich zu uns, und man tauscht Pfadfinder- und Reisegeschichten aus. Es wird sehr lustig, aber der lange Tag heute (vormittags standen wir ja noch an der Tafel) steckt uns in den Knochen, und nach einem Absackerbierchen ziehen wir uns zum Schlafen zurück.

Meine Thermarest von 2019 aus den USA ist zu schlaff, also puste ich zweimal nach. So, geht doch, schön di… pffff! Na toll: Zu fest aufgeblasen, und beim Drauflegen platzt die Matte; Sekunden später berührt mein Hüftknochen den harten Boden. Na, das kann ja eine lustige Nacht werden! Notdürftig polstere ich mein Lager mit einem Fleecepulli, lese noch ein bisschen und versuche dann, trotz hartem Lager und vielkehligem Schnarchen (und klar ist Wuli wieder der Lauteste!) doch noch ein bisschen zu pennen, drehe mich aber dauernd von Seite zu Seite, weil der Boden drückt.