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  • Abschied von Mainz

    Die Verpflegung hier ist hervorragend. Auch als die Schlange an der Essensausgabe verträglich kurz wurde, war noch mehr als genug da. Mit einem Budget von 30 Euro pro Teilnehmer lässt sich eben gut kochen. Am Tisch lerne ich Ines, die Chefin von det Janze, etwas besser kennen; sie stellt mir gleich eine clevere Frage zu einem Standardaufnäher an meiner Kluft – da muss ich Wuli zu Hilfe holen. Es handelt sich um das Abzeichen der ICCS (International Catholic Conference of Scouting) – wieder was dazugelernt, aber auch Wuli muss die genaue Bezeichnung beim Rüsthaus nachschlagen.

    Vor dem obligatorischen Gruppenfoto ein kleiner Schock: Patty, der das IST-Wochenende, den Telegram-Kanal und vieles andere organisiert hat, zieht sich aus persönlichen Gründen vom Projekt WSJ zurück – zuerst betretenes Schweigen, dann minutenlange Standing Ovations zum Dank für all seine Leistungen. Auch Wuli ist bestürzt, er kennt Patty aus der Diözese recht gut. Abends sitzen wir mit ihm beisammen und ratschen ausgiebig, klammern aber das Thema elegant aus.

    Vom rheinhessischen Riesling beschwingt hauen wir uns in die Horizontale; meine neue Thermarest ist super, an das Aufblaskissen muss ich mich aber noch gewöhnen. Obwohl mir eigentlich massenhaft Schlaf fehlt, treibt es mich um sieben schon wieder raus. Nach einem Riesenbecher Kaffee (die Becher wurden extra fürs Wochenende hergestellt und dürfen als Souvenirs mitgenommen werden) und einem herzhaften Rühreifrühstück sind wir bereit für die letzten beiden Workshops.

    Ines gewährt uns gute Einblicke in den jetzigen Planungsstand, die Aufteilung des riesigen Geländes und den groben Ablauf des Jamborees. Interessante Diskussionspunkte sind die Wegstrecken und -zeiten; vom IST-Camp ganz im Osten bis zum Busterminal ganz im Westen muss man mit locker 45 Minuten Gehzeit rechnen. Die Idee, Fahrräder mit aufs Gelände nehmen zu dürfen, macht die Runde. Naja, wir werden sehen. Dann treffen wir uns noch einmal in der Regionalgruppe Süd-West, zu der unsere Postleitzahl gehört, und vereinbaren einen Termin fürs Regionaltreffen, vernetzen uns ein wenig und machen uns Gedanken, wer dieses Treffen inhaltlich vorbereiten wird. Zwei freiwillige, unerfahrene ISTs werden auf mein Anraten von einem „Wiederholungstäter“ ergänzt.

    Zufrieden mit unseren Fortschritten machen wir ein Foto unserer Regionalgruppe und schreiten dann zur allüblichen Resteverwertung in der Mensa. Es ist noch haufenweise Material da, wie üblich werden auch ungeöffnete Packungen verteilt, nach dem Motto: Alles muss raus!

    Wuli und ich popeln die Steckbriefe von den Treppenhauswänden; die sollen später gescannt und auf unserem WSJ-Internetportal „Confluence“ eingestellt werden. Dann noch einen gemütlichen Becher Kaffee im Sonnenschein genießen. Wir haben noch fast zwei Stunden Zeit, bevor wir zum Zug mit unseren Sitzreservierungen können; alle früheren Züge sind komplett ausgebucht, wahrscheinlich wegen Fußball: Mainz spielt gegen Frankfurt, Stuttgart abends gegen Augsburg – perfekt, das deckt nahezu unsere ganze Strecke ab…

    Also beschließen wir, den ersten Stock des Theresianums als Chillout-Area zu nutzen und uns noch eine Weile aufs Ohr zu hauen. Dann machen wir uns mit Patty im Schlepptau, der bis nach München mit uns im Zug fährt, auf den Weg zum Bahnhof. Obwohl nahezu alle Städte entlang unserer Route heute gegeneinander Fußball spielen, kommen wir auf die Minute pünktlich durch. Im ICE ab Mannheim bespaßen wir ein paar sehr nette Kinder, die gerade mit Latein- und Erdkundelernen fertig sind und nun von uns bei Stadt-Land-Fluss eingesagt bekommen.

    In Augsburg erwartet uns meine Mutter, die zuerst Wuli heimbringt und danach bei mir zuhause das FCA-Spiel mit anschaut. Was für ein Wochenende – wow, der Kopf rotiert richtiggehend. Und morgen in die Arbeit, puh – naja, wird schon werden, mit so viel positiver Energie auf dem Konto. Und vielleicht bekomme ich Anke und Leo doch noch mit auf die Liste – das Black Magic Tent sucht händeringend 200 Staff-ler, Nachmeldungen werden akzeptiert…

  • IST-Treffen in Mainz

    Theresianum, Mainz, 6:43 – morgens, früh morgens

    Gefühlte zwei Stunden Schlaf später (aber gar nicht so schlimm beieinander wie man meinen möchte) gebe ich auf, ziehe mich an und gehe Richtung Mensa. Ab sieben soll’s Kaffee geben, das macht Hoffnung. Ich muss heute unbedingt eine der Pausen nutzen, um mir in Mainz eine neue Thermarest zu besorgen; noch eine Nacht auf Beton mit Nadelfilz will ich mir nicht antun; das ist praktisch wie Durchmachen. Passende Adressen habe ich mir schon rausgesucht, aber vor 10 machen die natürlich nicht auf.

    Also erst mal in der Mensa den Laptop laden und dabei Tagebuch schreiben; zudem (okay, ich geb’s zu) studiere ich nochmal die Steckbriefe der Teilnehmer, die im Treppenhaus angeklebt wurden (dabei haben wir mitgeholfen), um meinem katastrophalen Namensgedächtnis auf die Sprünge zu helfen und die netten Gesichter von gestern Abend mit einer Identität zu versehen.

    Kurz nach sieben werden die heiß ersehnten Kannen mit Bohnenextrakt auf den Tisch gestellt, und der Tag bekommt langsam ein Gesicht – es ist ein noch frischer, aber sonniger, vielversprechender Morgen.

    18:00 – der Kopf qualmt. Es war ein sehr intensiver Tag, an dem wir systematisch mit Informationen geflutet wurden. Nachdem ich mein Schlafdefizit mit kübelweise Kaffee kompensiert hatte, gab es… wow, ich musste gerade wirklich intensiv nachdenken, was ich vor gerade mal acht Stunden gegessen habe – ach ja, es gab Nürnberger Rostbratwürstl, Rührei, harte Eier – wahre Luxusküche, wie mir auch alle anderen bestätigten. Schon in aller Früh durfte ich in Dutzende Lagergeschichten eintauchen; großes Thema ist nach wie vor Korea. Um neun geht es los mit Morgenkreis im Freien, danach die erste Runde von vier halbstündigen Workshops. Beim Thema „Das Land Polen“ kann ich mein Wissen ein bisschen mit einbringen, schön! Workshops ohne Moderation, wo wir uns frei zum Thema unterhalten, wechseln immer ab mit Vorträgen, bei denen ich fleißig mitschreibe, z. B. „Leben und Arbeiten auf dem WSJ“.

    Die Mittagspause nutze ich zuerst einmal, um Ersatz für meine geplatzte Matte zu besorgen. Per E-Roller sause ich in die Altstadt runter und lasse mich bei „Sine“, einem hervorragend sortierten Outdoor-Laden, gut beraten. Mit einer echten Thermarest mit winzigem Packmaß und einem neuen aufblasbaren Kissen mache ich mich auf den Rückweg, aber nicht, ohne noch einen schnellen Tradi-Geocache mitzunehmen. Auf die Cacherei wurde ich schon vor dem Frühstück angesprochen – cool, wie das hier mit den Steckbriefen funktioniert.

    Der Rückfahrts-Roller hat kaum mehr Saft; auf der Steigung durch den Park gibt er den Geist auf, und ich muss das Vehikel noch zu einem legalen Stellplatz schieben. Zwei Straßen weiter wartet der nächste Scooter, den ich dann vor dem Gymnasium parke. Es stellt sich heraus, dass die Küchencrew ein bisschen spät dran war; ich entdecke Wuli am Kopf einer gewaltigen Warteschlange und begnüge mich mit einem gemischten Salat, für den man nicht anstehen muss; ist auch besser für die Figur, denn hier gibt es praktisch dauernd was zu essen. Derweil findet im Theresianum neben unserer „kleinen“ Veranstaltung auch noch ein Basar und eine Tagung für Eltern hochbegabter Kinder statt – die wissen, das Gebäude gut auszulasten!

    Auf die Mittagspause folgt eine längere Infoveranstaltung in der Aula, bei der wir die wichtigsten Eckpunkte des Lagers erfahren; wir werden am Dienstag, 27. Juli 2027, in Gdansk erwartet, und bleiben bis zum 10. August. Wir lernen das Platz-Layout kennen – Kantenlänge viereinhalb Kilometer, das ist schon ein Brocken!

    Danach weitere vier Workshops (besonders beeindruckend finde ich „Mental Health“ für uns ISTs), wir dürfen Ideen für den Namen und das Logo unserer IST-Gruppe zum Thema „süße deutsche Backwaren“ pitchen – mir gefällt eISTorte, und die KI wirft ein nettes Maskottchen aus, das ich unprofessionell auf das Plakat abkritzle.

    In der Kaffeepause treffen wir uns zum „Regionencafé“; die ISTs treffen sich erst in Westernohe zum „KoLa“, dem Kontingentslager sämtlicher deutscher Teilnehmer wieder; bis dahin arbeiten wir in der Region Süd-West. Ganz vorsichtig rege ich an, dass wir doch eine weitere Telegram-Gruppe zur Organisation einrichten könnten; der Vorschlag wird auch gleich umgesetzt.

    Dann brauche ich eine kleine Pause, während der ich den Tag Revue passieren und in den Blog tippen kann, das tut mir gut. Nun wollen wir mal sehen, ob ich noch einen Burger abstauben kann.

  • Ab nach Mainz!

    20.3.26, 17:44, im überraschend pünktlichen ICE bei Stuttgart

    Premiere: Zum ersten Mal trage ich meine Kluft in der Öffentlichkeit, und schon nach fünf Minuten wurden wir im Zug nach Augsburg darauf angesprochen und für cool befunden – läuft! Wir sind auf dem Weg nach Mainz, zum ersten Treffen des deutschen Teils des International Service Team (IST – erst am Samstag lerne ich, dass das „S“ nicht für „Support“ steht) für das World Scouting Jamboree (WSJ) im Sommer 2027 in Gdansk, Polen.

    In dieses Abenteuer hat mich Wuli mit Elan reingequatscht – letztes Jahr machte er mich über Beziehungen und im Eilverfahren zum offiziellen Mitglied in der Deutschen Pfadfinderschaft St. Georg (DPSG) gemacht, im Spätsommer ging dann die Anmeldung für das „Jam“ raus. Zum Geburtstag schenkte mir Anke mein Klufthemd, das gestern noch mit einigen Aufnähern aufgemotzt wurde. Man wird mir meine recht kurze Mitgliedschaft dennoch deutlich ansehen, und ich hoffe mal, dass ich mich nicht blamiere – und Wuli auch nicht, wobei der schmerzfrei ist, zumindest, was lautstarke Körperfunktionen und Sprüche im Großraumwagen angeht. Er versorgt uns mit Brotzeit, ich steuere das fastenzeitkompatible alkoholfreie Weizen aus dem Bordbistro bei.

    Die App der Mainzer Verkehrsbetriebe verweigert mir Einlass, aber bei Wuli klappt’s auf Anhieb – sein Kommentar: „Vielleicht sagst du besser nicht, dass du IT-Experte bist!“ – ohne Worte!

    Nach dem Umsteigen in Mannheim sieht man schon mehr Kluften im Zug, und der Bus in Mainz sieht fast aus, als hätten ihn die Pfadfinder extra gebucht. Zu zwanzigst lassen wir uns von den Stadtwerken mit der widerspenstigen App bis zum Theresianum chauffieren, einem kirchlichen Gymnasium, in dem unser Treffen samt Übernachtung stattfindet. Schon vor der Tür trifft Wuli einige Leute aus seiner Unit aus Korea 2023, man begrüßt sich überschwänglich.

    Wir werden professionell empfangen und eingewiesen. Zuerst sollen wir unseren Schlafraum beziehen; wir entscheiden uns für die Variante „gemischt, über 18, mit Schnarchern“ und landen, nachdem wir uns in dem futuristisch gestalteten, runden Bau mit Split-Level-Architektur halbwegs orientiert haben, in einem großen Mehrzweckraum, in dem schon diverse Schlafsäcke, Thermarest-Matten und Feldbetten aufgestellt sind. Wir suchen uns ein Eckchen, rollen unser Zeug aus und gehen in Hausschuhen erst mal zum offiziellen Check-In, wo wir unsere Anmeldung und den Steckbrief abgeben.

    Anschließend ist Abendessen angesagt; in der schicken Mensa herrscht Vollbetrieb, es gibt leckere Pizza in verschiedenen Varianten. Bald ruft Patty (Patrick aus Augsburg) die Menge zusammen, die sich in der ebenfalls runden, zirkusartigen Aula versammelt, wo wir allererste Informationen bekommen und uns mittels ein paar Gruppenspielen minimal kennenlernen. Was Großlager betrifft, bin ich natürlich Neuling, aber erstaunlich erfahren, was Besuche im Gastgeberland Polen angeht – schön! Abschließend teilen wir uns per Durchzählen auf zehn Teams auf, die morgen reihum den Workshop-Zirkel besuchen, dann ist Ende des offiziellen Teils, und der gemütliche Abend wird eingeläutet. Wir holen uns eine Flasche rheinhessischen Riesling und setzen uns in den gemütlichen, lounge-artigen Teil der Mensa, wo wir nicht lange allein bleiben: Tini (Christina) und Diana aus dem Raum Stuttgart sowie Jannik aus Weiden gesellen sich zu uns, und man tauscht Pfadfinder- und Reisegeschichten aus. Es wird sehr lustig, aber der lange Tag heute (vormittags standen wir ja noch an der Tafel) steckt uns in den Knochen, und nach einem Absackerbierchen ziehen wir uns zum Schlafen zurück.

    Meine Thermarest von 2019 aus den USA ist zu schlaff, also puste ich zweimal nach. So, geht doch, schön di… pffff! Na toll: Zu fest aufgeblasen, und beim Drauflegen platzt die Matte; Sekunden später berührt mein Hüftknochen den harten Boden. Na, das kann ja eine lustige Nacht werden! Notdürftig polstere ich mein Lager mit einem Fleecepulli, lese noch ein bisschen und versuche dann, trotz hartem Lager und vielkehligem Schnarchen (und klar ist Wuli wieder der Lauteste!) doch noch ein bisschen zu pennen, drehe mich aber dauernd von Seite zu Seite, weil der Boden drückt.

  • Hello world!

    Seit Monaten hat Wuli mich bearbeitet, aufs World Scout Jamboree 2027 in Polen mitzukommen. Dass ich anfangs noch gar kein offizieller Pfadfinder war, störte dabei erst mal nicht – ich hätte das Zeug dazu, und es würde lustig. Glaub ich gleich, wir kennen uns ja nicht erst seit gestern und haben schon manches Abenteuer miteinander bestanden.

    Also wurde ich Mitglied bei der DPSG, füllte die Anmeldung aus, beantragte ein Führungszeugnis, und so, wie’s nun aussieht, bin ich mit am Start. Fehlte nur noch eine Möglichkeit, Tagebuch zu führen. Na klar, mit WordPress, wie sonst?